Maireäje brengt Säje, sät man, ävver wenn Pankratius, Servatius on Bonifatius on noa denne dii kalde Sophie vorbee send, dann ös dat deä Steärz von deä Wenkter. Dann well man op Muttertag on Pengste schuen Weär han, doamöt Oma os in her bääs bommesiene Kleed on stiefstaats wie ene Pengsoas in deä Jaard örre leckere Rhabarbertaat opdrage kann.
Och wenn werr hengerher schlie Täng hant, Oma freuet sich emmer, wenn et os geschmeckt hod. Öm dös Tiet make völl Broderschaften dii erschte Omzöch möt Trommel on Flöt, om deä Maiboom to sette. Wenn deä Tambourmajor sine Kuus en deä Loot höft on deä Speelmannszoch “ deä Mai is jekommen“ oder ene flotte Marsch schmettert, dann jeht männige Opa jrader, och wenn deä Been net mier so wolle on denkt sich „Alles neu, macht der Mai.“
Anmerkungen:
- Bomesin frz. Bombasin, Baumwollgewebe mit glänzender Oberfläche
- stiefstaats herausgeputzt, hoch vornehm
- schlie gefühllos
Mai
Mairegen bringt Segen, sagt man, aber wenn Pankratius, Servatius und Bonifatius und nach ihnen die kalte Sophie vorbei sind, dann ist das das Ende vom Winter. Man möchte dann zu Muttertag und Pfingsten schönes Wetter haben, damit Großmutter uns in ihren besten Baumwollkleid und herausgeputzt wie ein Pfingstochse im Garten ihren leckeren Rharbarberkuchen auftragen kann.
Auch wenn wir hinterher gefühllose Zähne hatten, Großmutter freute sich immer, wenn es uns geschmeckt hat. Viele Bruderschaften machen zu dieser Zeit die ersten Umzüge mit Trommel und Flöte, um den Maibaum zu setzen. Wenn der Tambourmajor seinen Stock in die Luft hält und der Spielmannszug „Der Mai ist gekommen“ oder einen flotten Marsch schmettert, dann geht mancher Großvater gerader -auch wenn die Beine nicht mehr so wollen- und denkt sich: „Alles neu macht der Mai.“

Zeichnung von Sohn Hans-Josef, 1974
